Martin Woesler erhielt 2007 den mit 10.000 Euro dotierten
Preis "Desideratum" der European Science & Scholarship Association
"für sein Engagement und seine wissenschaftliche Leistung zur
Verwirklichung der ersten vollständigen deutschen Übersetzung des
bedeutendsten chinesischen Romans Traum
der Roten Kammer".
In der Begründung der Jury heißt es: "Der chinesische Roman Traum der Roten Kammer gilt als der
bedeutendste chinesische Roman überhaupt und wurde seit seinem
Erscheinen ununterbrochen gefeiert, sogar in der Zeit von Mao Zedong,
in der er ihn ideologisch zu instrumentalisieren versuchte. Darin geht
es um eine Dreierbeziehung, um Aufstieg und Niedergang einer
Beamtenfamilie zur Zeit der ersten Kaiser der letzten chinesischen
Dynastie Qing. Er wurde vermutlich in den 1750er Jahren von Cao Xueqin
zuende gebracht, aber nur im Freundeskreis weitergereicht. Das letzte
Drittel sammelte Gao E zusammen, nahm Ergänzungen vor und edierte die
vollständige Ausgabe Chengjiaben 1791. Diese war Grundlage für
vollständige Übersetzungen ins Englische, Französische, Russische etc.
Nur ins Deutsche wurde diese Fassung bisher nie vollständig übersetzt.
Franz Kuhn gab 1932 lediglich eine etwa um die Hälfte gekürzte Fassung
heraus. Etwa 250 Jahre, nachdem der Autor letzte Hand angelegt hat und
215 Jahre, nachdem die erste vollständige chinesische Fassung erschien,
liegt nun auch eine vollständige deutsche Fassung vor. Dies ist das
Verdienst von Martin Woesler, Sinologe, der sich damit einen
Studententraum erfüllte. Obwohl zahlreiche Verlage die seit etwa 1991
vorliegende vollständige Übersetzung von Rainer Schwarz ablehnten, fand
Woesler einen Weg, den Roman im Europäischen Universitätsverlag zu
veröffentlichen. Er überarbeitete Schwarz‘ Fassung und ergänzte das
fehlende Drittel."
Pressemitteilung der ESSA vom 2.8.2007:
Berühmtester chinesischer Roman „Traum der Roten Kammer“ erscheint 250
Jahre nach seinem Entstehen in China am 6.8.2007 erstmals ungekürzt auf
Deutsch
Der Bochumer Sinologe Martin Woesler bringt die erste vollständige
Übersetzung heraus, die er mit seinem Berliner Kollege Rainer Schwarz
erarbeitet hat. Für diese Leistung wurde Woesler jetzt mit dem erstmals
von der 'Europäischen Vereinigung für Wissenschaften' verliehenden
Preis „Desideratum 2007“ ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro in Form von
Druckkostenzuschüssen und Preisgeld dotiert ist. Woesler erhielt einen
Ruf auf eine ordentliche Professur für interkulturelle Kommunikation
nach München zum 1.10.2007, wo er einen Master- und zwei
Bachelor-Studiengänge, unter anderem für Übersetzer aus dem
Chinesischen, aufbauen und leiten soll.
In den vergangenen 70 Jahren mussten sich Sinologie-Studenten und
Chinafreunde mit einer um die Hälfte gerafften Übersetzung des
Sinologen Franz Kuhn begnügen.
Da der Roman schon seit Jahrzehnten vollständig auf Englisch,
Französisch, Russisch etc. vorlag, war es lange ein Desiderat, ihn auch
vollständig auf Deutsch herauszubringen. Es war deshalb so schwierig,
weil der Roman auf Deutsch etwa 2600 Seiten umfasst und die Übersetzung
ein Lebenswerk ist. Zudem liegt er in zahlreichen verschiedenen
Fassungen vorliegt und in China eine eigene „Rotforschung“ mit mehreren
Schulen existiert, die sonst nur mit Bibel-Exegese vergleichbar ist.
Ein Streitpunkt der Gelehrten ist die Fassung: Sicher dem Autor Cao
Xueqin zugeordnet werden können nur 80 Kapitel, die 40 Schlusskapitel
gehen auf seine Notizen zurück, sind aber wahrscheinlich postum von Gao
E in die Endfassung gebracht worden. Diese 120-Kapitelfassung
Chengjiaben, die 1791 mit beweglichen Holzlettern und zahlreichen
Illustrationen gedruckt wurde, ist die verbreitetste und wurde vom
„Traum der Roten Kammer-Forschungsinstitut“ Peking in den 1980er Jahren
mit einem umfangreichen Apparat herausgebracht. Auch das Faksimilie ist
in China wieder erhältlich. Pikant ist, dass sich mit Schwarz und
Woesler zwei Übersetzer zusammengefunden haben, die den beiden
unterschiedlichen Schulen (80 und 120-Kapitel) angehören. So hat
Schwarz die ersten 80 Kapitel übersetzt und Woesler diese zwei Jahre
lektoriert, die letzten 40 Kapitel übersetzte Woesler dann alleine.
Der Publikation gingen etwa 15 Jahre einer Verlagssuche voraus, die
meisten Verlage lehnten das Mammutwerk ab. Woesler, der zugleich
Verleger des kleinen Bochumer Universitätsverlags ist, gewann das
Mutterhaus 'Europäischer Universitätsverlag' für diese in der
Wissenschaft höchst willkommene aber nicht gewinnbringende
Veröffentlichung. Dementsprechend erscheint das Werk in einer
dreibändigen limitierten, nummerierten Liebhaber-Auflage auf
Munkenpapier und mit Kapitalband-Bindung. Die ersten beiden Bände
kommen am Montag, 8.7.2007, in den Handel. Der Reclam-Verlag hat
bereits Interesse an einer Taschenbuchausgabe angemeldet.
Woeslers persönliche Beweggründe für die Übersetzung und Herausgabe
waren, dass er sich schon als Bochumer Student über die mangelnde
Qualität der Kuhnschen Übersetzung geärgert hatte. Gleichzeitig
faszinierte ihn der weltweite Erfolg des Romans (auch in Deutschland
wurde der Roman trotz der gerafften Übersetzung zu einem bis heute
ununterbrochen wieder aufgelegten Bestseller) und er verfolgt seit
Jahren ein Forschungsvorhaben, um diesem Erfolg auf die Spur zu kommen.
Obwohl der Roman in China als Inbegriff chinesischer Kultur gilt, sieht
Woesler einen Hauptgrund gerade in der kulturunabhängigen
Identifikationsmöglichkeit mit dem Protagonisten Bao-yü: 'Jedem
Menschen wohnt die Verklärung von Kindheits- und Jugenderinnerungen
inne. Die paradiesähnliche Schilderung des Aufwachsens macht es dem
Leser leicht, sich mit einer der Hauptpersonen zu identifizieren. Der Traum der Roten Kammer ist ein
Entwicklungs- und Generationenroman, durchaus vergleichbar mit den
Buddenbrooks.'
Bibliographische Angabe:
Tsau, Hsüä-Tjin / Gau, E: Der Traum der Roten Kammer oder Die
Geschichte vom Stein, aus d. Chin. v. Schwarz, Rainer / Woesler,
Martin, Verlag: Europäischer Universitätsverlag / Bochumer
Universitätsverlag, ISBN 978-3-86515-010-3, gebunden mit Kapitalband,
nummeriert und limitiert, 177 Euro, ca. 2640 S. - 21 x 15 cm,
2006-2009, 2600 g, ca. 200 Abbildungen, zahlreiche Anmerkungen,
Vorwort von Martin Woesler, Nachwort von Hartmut Walravens."
Studien-Stipendium 1991/92 des Deutschen Akademischen
Austauschdienstes zum Studium an der Peking-Universität
Post-Doc-Stipendium 1998/1999 der Harvard-Universität zu
Forschung und Lehre am
Department of East Asian Languages and Civilizations.
Gewähltes Vorstandsmitglied der
Deutschen
China-Gesellschaft e.V. 1998, seitdem mehrfach in seinem Amt bestätigt